Liegen

Ich liebe Rituale.

Was vielleicht erst einmal seltsam klingt für jemanden, der Gewohnheiten schon von Berufs wegen auf den Prüfstand stellt :-) Aber da ist eben ein wichtiger Unterschied zwischen Ritualen und Gewohnheiten: Das Bewußtsein, die Achtsamkeit, die ich meinem Tun schenke.

Oder anders: Je lebendiger ich etwas gestalte, desto ritualisierter darf’s sein.

Mein morgendliches Liegen ist ein solches Ritual. Ich liege immer an derselben Stelle, immer in dieselbe Richtung guckend in meinem Arbeitszimmer. Immer auf dem selben Teppich, immer auf der selben Decke. Und auch die Uhrzeit ist klar.

Aber dann eben die Achtsamkeit: wie komme ich auf der Decke an? Welche Bewegungen mache ich dafür? Wie fühlen sich diese Bewegungen an, wie geht es mir damit?

Von Haus aus (also gewöhnlich :-) möchte mein Körper gerne eine Drehbewegung nach links-unten machen, mit der ich dann auf dem Boden ankomme. Was passiert aber, wenn ich mich anders herum drehe? Die Bewegung ist ungewohnt, ich fremdele mit ihr. Und was passiert in meinem Denken? Da höre ich doch gleich eine sehr alte, vertraute Stimme.

‘Du bist eben ungeschickt…’

Nein, bin ich nicht. Ich fühle mich nur einen Augenblick lang so. Aber ich fühle mich auch mutig! Schließlich ist schon das hier ein klitzekleines Experiment jenseits meiner Komfortzone :-)

Und mir fallen gleich noch mindestens drei weitere Möglichkeiten ein, wie ich zum Liegen komme. Ein Purzelbaum vielleicht? Experimente machen nämlich Spaß. Etwas, das mir die Kopfstimme nur selten gönnen will… Aber von der laß’ ich mir schon lange nix mehr sagen!

In diesem Sinne, fröhliches Ritualisieren,
Eure Claudia.