Der Moment: Komplimente

Ist Dir schon mal der Begriff ‘Westfälisches Lob’ begegnet? Ich kannte das jedenfalls nicht, bis mich mein damaliger Chef aufklärte. Da hatte jemand etwas wirklich toll gemacht und er kommentierte es lapidar mit ‘Nicht schlecht!’. Das hat mich total aufgeregt, weil ich es so … ungerecht, fast abwertend fand. Auch mein Chef kam ins Nachdenken, meinte aber, das sei eben in seiner Heimat immer schon so gewesen. Bloß nicht zu viel loben, nachher steigt es noch jemanden zu Kopf, dann wird er vielleicht noch eingebildet, überheblich. Bewahre, das geht ja gar nicht!

Geht das echt nicht? Aber was passiert denn, wenn wir jemanden loben? Wenn wir zur Kenntnis nehmen, daß da jemand etwas gut hinbekommen hat? Genau, der andere Mensch, das andere Geschöpf wird wahrgenommen, in seinem Tun, in seiner Art, sich auszudrücken. In seinem Sein. Und das ist doch eigentlich das, was wir uns alle wünschen, oder? Wir wollen wirklich gesehen werden.

Freuen wir uns also über ein Lob! Streichen wir Sätze wie ‘Ach, das war doch ganz einfach…’ aus unserem Reden. Nehmen wir Komplimente mit Begeisterung an! Und wenn wir beruhigt festgestellt haben, daß wir nicht überheblich werden - dann können wir doch bestimmt auch andere viel leichter loben! Aus ganzem Herzen und mit ebenso viel Freude. Weil wir den anderen wirklich gesehen haben.

Ist das nicht ein toller Kreislauf?!?

Hab viel Freude am Lob!
Deine Claudia