Standpunkte

Diese Woche habe ich eine tolle Geschichte zu bieten! Ich hatte nämlich das große Vergnügen, mit fünf Mitarbeitern der Pinakothek der Moderne in München arbeiten zu dürfen. Alle fünf arbeiten im Bereich Besucherservice und Kulturvermittlung, wir haben gemeinsam experimentiert, wie insbesondere das Thema Kulturvermittlung  mit meiner Arbeit zusammen passen könnte.

Jedenfalls bin ich für diesen Termin schon mal vorab durch die Pinakothek gewandert, weil mir da so eine Idee durch den Kopf geisterte.

Die Pinakothek der Moderne: Immer wieder toll!

Aber bevor ich davon erzähle, muß ich einfach ein bißchen schwärmen. Denn egal, wie oft ich schon da war – die Pinakothek der Moderne ist immer wieder großartig! Gleich vorne in der ersten Etage hängt zum Beispiel ein  äußerst beeindruckendes  Werk von Antonio Saura, das ich sehr, sehr bewundere, das Triptychon heißt ‚Crucifixión‘. Oder der Saal mit all den fantastischen Bildern von Max Beckmann! Ich habe reichlich Fotos gemacht, damit Du ein bißchen mit genießen kannst :-)

 

Zurück zu meiner Idee. Die drehte sich um das Wort ‚Standpunkt‘. Eines von diesen vielen wunderbaren Wörtern in der deutschen Sprache, die sich so sehr um das Körperliche drehen, daß es uns gar nicht mehr auffällt. Oder was hattest Du vor Deinem inneren Auge, als Du das letzte Mal von etwas komplett überzeugt warst, weil es so richtig Hand und Fuß hatte?

George Grosz und andere Größen der Kunst

Standpunkt also. Und tatsächlich habe ich den perfekten Saal dafür gefunden! Raum Nr. 7  widmet sich derzeit dem Neoklassizismus und zeigt verschiedene, allerbestens kuratierte Portraits aus den 20iger, 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts, unter anderem von Otto Dix, Alexander Kanoldt und George Grosz.

In dem Raum haben wir dann eine spannende Stunde damit verbracht, unsere eigenen Standpunkte aus verschiedensten Blickwinkeln zu erforschen: ein bißchen Anatomie, Gehen und Stehen, Überlegungen zur eigenen Wahrnehmung.

Im Dialog mit dem Bild, im Dialog mit mir

Vor allem aber: Was passiert, wenn ich die Haltung der Portraitierten um mich herum tatsächlich einnehme, nachahme? Was erzählt mir das über die Person auf dem Bild, über mich selbst? Kann ich diesen fremden Standpunkt nachvollziehen? Oder fühlt es sich eher fremd und seltsam an?

Wie beeinflußt dieses Nachahmen meinen eigenen Standpunkt? Und wo kommt der Maler, die Malerin des Werkes ins Spiel? Kann ich auch da einen Standpunkt wahrnehmen?

Sehr, sehr spannend, kann ich nur sagen! Und ich bin den Kolleginnen und Kollegen rund um Jochen Meister sehr dankbar für ihre Einladung , für ihre Gesprächsbereitschaft,  ihr Mit-Tun und ihre mutige Experimentierfreude. Falls auch Du jetzt Lust aufs Experimentieren hast, hier habe ich Dir noch mal reichlich Fotos aus diesem tollen Raum mitgebracht.

Viel Freude und spannende Erfahrungen dabei,

Claudia