Ich habe einen Traum.

Ich habe einen Traum.

Okay, ich geb’s am besten gleich zu: mein Traum ist vielleicht nicht ganz so groß und weltbewegend wie der von Martin Luther King. Und doch...

Ich träume davon, daß wir alle ungehindert unser ganz persönliches Menschsein  leben können.

Daß wir angstfrei unsere ganz eigene Individualität zeigen, daß wir uns ausprobieren können, daß wir heute so und morgen anders sein dürfen. Einfach, weil wir schon wieder neue Facetten und Möglichkeiten an uns entdeckt haben.

Und weil ich eine Frau bin, hat dieser Traum von mir natürlich auch viel mit Kleidung zu tun :-)

Ich glaube, das ging schon ganz früh los. Jedenfalls erinnere ich mich daran, wie ich schon auf dem Weg zur Grundschule Teile meiner Kleidung in die Tasche stopfte, die mir meine Mutter aufgedrängt hatte.

Und dann Anfang der 80iger Jahre, als ALLE in meiner Klasse diese Sweatshirts trugen, auf denen groß der mit B beginnende Name des italienischen Labels prangte. Ich hab’s einfach nicht eingesehen: Werbung machen und dafür bezahlen?!? Gehts noch???

Meine Rettung waren die abgelegten Klamotten meines Vaters und der erste Secondhand-Laden in unserer Kleinstadt, sehr zum Entsetzen meiner Großmutter. „Kind, wie siehst Du denn aus?!“ 

Mein Ich - das gestalte ich selbst.

Ein paar Jahre später, mit  Anfang 20 dann der nächste Geistesblitz. Selber nähen! Tolle Idee. Allerdings weit und breit schon wieder nur eine Firma mit B am Anfang, dieses Mal die mit den Näh-Zeitschriften. Ich hab’s echt versucht! Aber nach dem dritten oder vierten völlig verhunzten Kleidungsstück war dann eben doch die Luft raus.

Also bin ich los und habe andere Facetten, andere Möglichkeiten entdeckt. Die Pferde, das Reiten. München. Neue Freunde, zwei- und vierbeinig. Die Alexander-Technik. So viel Schönes, Bereicherndes!

Alte Ideen, neue Möglichkeiten.

Aber vor ein paar Jahren war das Nähen, das Bedürfnis nach selbstgemachter Kleidung wieder da. Und  - breites Zunge raus strecken in Richtung Firma B – jetzt gibt es das Internet. Mit so vielen  hilfreichen Tutorials und Videos und vor allem all den großartigen Menschen, die Du mal eben schnell kontaktieren kannst, wenn Du eine Frage hast.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich möchte diesen Blogbeitrag als DANKESCHÖN an all die verstanden wissen, die mich dazu anregen, mein ganz persönliches Menschsein auch durch selbst genähte Kleidung zu leben.

Für diesen Beitrag habe ich meinen derzeitigen Lieblingspullover rausgesucht. Entstanden nach der Devise: Aufgeben gilt nicht. Das gute Stück ist aus einem original 60iger Jahre Strickstoff entstanden, der in natura einen sehr schönen weichen, eher dunklen Rot-Ton hat. Quasi meine Lieblingsfarbe :-)

Zuallererst war es eine Art Kimonojacke nach einem Ottobre-Schnitt. Ging leider gar nicht. Dann hab ich aufgetrennt und hin und her geschoben und tatsächlich einen meiner Lieblings-Schnitte untergebracht, den Lisbon-Cardigan. Das Resultat war hübsch – aber ich hab es nicht angezogen.

Vor ein paar Wochen der dritte Anlauf: Weg mit der Blende samt Verschlüssen, stattdessen die vordere Mitte zusammengenäht. Und weil ich zu faul war, den unteren Saum und den Kragen noch mal aufzudröseln, habe ich da einfach schwarze Knöpfe an die nötigen Stellen genäht.

Das Resultat: absolut einmalig.
Und sicherlich ein bißchen strange . Eben genau wie ich :-)


Und wie lebt Ihr Eurer Menschsein? Wie auch immer, habt viel Freude dabei!
Claudia

Das erste Mal verlinkt mit Sewlala. Aufregend :-)