Du und Dein Rücken, Teil II.

Willkommen!

Gleich vorab: Falls Du den ersten Teil verpaßt hast, bist Du hier falsch. Bitte starte stattdessen mit Teil I, das macht mehr Sinn. 

Und jetzt zu uns anderen. Erinnerst Du Dich? Hier geht’s darum, wie Du und Dein Rücken allerbeste Freunde werdet. Und zwar einfach durch Liegen! Dieses Mal starten wir mit einem Zitat, auf das ich letztens durch Ricarda Kiel aufmerksam wurde:

We are not nouns, we are verbs. I am not a thing – an actor, a writer – I am a person who does things – I write, I act – and I never know what I am going to do next. I think you can be imprisoned if you think of yourself as a noun.
— Stephen Fry

Okay, lassen wir das mal einen Augenblick auf uns wirken. Wir sind also im Idealfall keine Liegenden, keine Menschen, denen etwas passiert. Nein, es geht um eine mögliche Aktivität, in unserem Fall: Liegen! Eindeutig ein starkes Verb, gleich in mehrfacher Hinsicht :-)

Als Kind hatte ich es nicht so mit Begriffen wie Substantive oder Verben. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ersteres für mich übersetzt habe, aber ein Verb, das war ein Tu-Wort. Eine Tätigkeit,

eine Handlung, die ich frei gestalten kann.



Nach genau diesen Gestaltungsmöglichkeiten möchte ich diese Woche mit Dir Ausschau halten. Schnell noch mal die Grundlagen:

  • Du liegst ca. 20 Minuten in einer ruhigen, stillen Ecke auf einem festen Untergrund.

  • Dein Kopf ruht auf einem Bücherstapel. Du überprüfst immer mal wieder dessen Höhe, damit sich das Ganze angenehm für Deinen Hals anfühlt.

  • Ab und zu streckst Du Deine Arme/Beine aus, läßt sie ein Weilchen liegen und ziehst sie irgendwann wieder an.

  • Deine so ziemlich einzige andere Tätigkeit: Du beobachtest aufmerksam, was sich durch das Liegen in Deinem Körper verändert.

 Soweit alles gut? Fein.



Beoachte die Details.

Genauer: beobachte nun Deine Beine. ‚Ausstrecken/Anziehen‘: mal eben schnell geschrieben, mal eben schnell gemacht. Genauso, wie Deine Gewohnheiten es Dir vorgeben. Was passiert aber, wenn Du Dir einen Augenblick Zeit schenkst und die Bewegung erst mal verdeutlichst?

Da sind in erster Linie verschiedene Gelenke: die Kugelgelenke in Deinen Hüften und die Scharniergelenke in Knien und Füssen. Keine Sorge, das wird hier kein Anatomiestudium :-) Aber Wissen hilft.

Aber schon die unterschiedlichen Bezeichnungen sagen Dir etwas über unterschiedliche Bewegungsmöglichkeiten. Also: was erscheint Dir beweglicher? Eine Kugel oder ein Scharnier? Genau :-)

Ich möchte aber nicht nur, daß das Deinem Kopf klar ist, sondern vor allem auch Deinem Körper.

Du machst deshalb jetzt den Praxistest, indem Du in der üblichen Position liegst und die obligatorische Bestandsaufnahme machst.

  • Wie stehen Deine Füße auf dem Untergrund?

  • Wie liegen Deine Schulterblätter auf?

  • Wie groß ist die Freifläche in Deinem unteren Rücken, die nicht den Boden berührt?

  • Wie ragen Deine Knie in die Luft? Berühren sie einander? Oder ist Platz zwischen ihnen? Wie viel?

Nun sind Deine beiden Kugelgelenke links und rechts dran, stell sie Dir vor. Vergegenwärtige Dir noch mal, wie das auf meinen Fotos aussieht. Die genaue Position, die Kugel am Ende Deines Oberschenkelknochens, die fast wie ein Golfball aussieht.

Und jetzt beginnst Du von dort aus mit dem Ausstrecken Deiner Beine, Du erlaubst dieser Kugel, in die Bewegung zu starten. Als nächstes dürfen Deine Knie ihr Glück probieren. Und zuletzt kommen Deine Fußgelenke dran, um in die Bewegung zu starten.

 

Laß Dir Zeit

für dieses Experiment, mach es so oft, wie Du möchtest. Vielleicht auch nur mit einem Bein, während das andere angewinkelt bleibt?

Was passiert? Mach erneut eine Bestandsaufnahme. Welche Unterschiede kannst Du realisieren? Wie liegst Du jetzt da? Fühlt sich alles noch wie vorher, wie gewohnt an? Oder hast Du neue Möglichkeiten gefunden, etwas zu tun?



Jetzt von Deinen körperlichen

zu Deinen Denk-Gewohnheiten.

Einfach, indem Du Dich beobachtest, wenn ich Dir nun sage, daß ich Dir keine ‚Lösung‘ verraten werde :-) Denn diese Lösung impliziert, daß ich Deine  ganz eigenen Erfahrungen, die Du inzwischen hoffentlich gemacht hast, beurteile. Daß ich entscheide: Ja, dieses Empfinden, jenes Gefühl  ist richtig - nein, das ist falsch.

Kommt aber gar nicht in Frage! Meine Lieblings-Rolle ist die der Ideen-Lieferantin, manchmal vielleicht auch Querulantin :-) Aber Richterin? Das wollte ich noch nie werden.



Deine Lieblings-Rolle? Die bestimmst Du ganz allein!

Ich bin mir dabei in einem Punkt ganz sicher: je mehr Du Deine Gewohnheiten erforschst, je mehr Du Neues ausprobierst – desto größer wird Deine Rolle. Vielleicht doch noch Zirkusprinzessin?! Alles ist möglich, wenn Du Dein Leben als Verb gestaltest :-)

Viel Freude dabei!

Claudia

Claudia HeineltComment