Grenzen sprengen

Oder etwa nicht?

Das Bild, das ich Dir heute fotografiert habe, begleitet mich schon ganz lange. Ich glaube, ich habe es so gegen 1991/92 geschenkt bekommen, auf einer Weihnachtsfeier der Buchhandlung, in der ich zeitweise während meines Studiums gejobbt habe.

Solche Betriebs-Weihnachtsfeiern waren lange Zeit nicht so mein Ding, aber hej, diese Weihnachtsfeier hat sich schon wegen des Bildes total gelohnt! Ich meine, der Mensch, der es gemalt hat, heißt Dirk Jahreis. Und wenn ich mich richtig erinnere, hat er damals tollerweise für jeden von uns so eine verschlossene Pappe mitgebracht und wir durften dann unsere ganz eigene ziehen.

MAGIC, sage ich nur :-) Denn das mit den Grenzen, das war und ist echt mein Thema. Tatsächlich steht dieses Bild auch sehr dafür, wie heftig ich mich mit diesem Thema lange, lange Zeit gestresst habe.

Grenzen sprengen .jpg

Ich glaube, das mit den Grenzen kennen wir alle, oder? Das ist nun mal so in diesem Leben, früher oder später, viele oder wenige, irgendwann begegnen uns die ersten ihrer Art. Die spannende Frage ist meiner Meinung nach, wie wir damit umgehen. Rebellieren oder akzeptieren? Mich selbst begrenzen oder eher die anderen? Oder alles zusammen?

Mischmasch in meinem Fall, lange Zeit. Und gefühlt ganz fürchterlich viele Grenzen, die ich unbedingt alle loswerden wollte!

GRENZEN SPRENGEN STRESST

Ich entsinne mich noch bestens an die Zeit, als ich nach ein paar Jahren Pause mit Ende Zwanzig wieder mit Reiten begonnen habe. Natürlich wollte ich die weltbeste Späteinsteigerin ever werden! Wie sehr habe ich davon geträumt, gemeinsam mit meinem Pferd dahin zu schweben! Aber – BUMM -  die Realität sah sehr, sehr anders aus... Mein Körper war dermaßen in seinen Gewohnheiten gefangen, daß meine Grenzen unglaublich eng waren. Und genauso lief dann auch mein Pferd. Gruselig, echt.

Und ja, ich habe mich in diesen Jahren unglaublich damit gestresst, meine Grenzen doch endlich verdammt noch mal zu sprengen. Aber gerade, weil ich so heftig dagegen rannte, prallte ich natürlich auch mit Schmackes zurück, wie man in Norddeutschland sagt. Mit Wucht eben. Schmerzhafte Angelegenheit, kann ich nur sagen. Von Erfolgen keine Rede.

Wie ich so sehr auf dem Sprengstoff-Trip war, hab ich auch eine ganze Weile total mit mir gehadert. Weil sich so gar nix veränderte, weil ich so unfähig war, weil ich viel zu viel Angst hatte vor dem richtig großen Befreiungsschlag.

IM TEUFELSKREIS

Weil..., weil..., weil... das ganze große Repertoire der Selbstbeschimpfung. Das war zwar eine abendfüllende Beschäftigung, aber um es deutlich zu sagen: gebracht hat’s gar nichts. Keine einzige Grenze, die sich deswegen auch nur einen Millimeter bewegt hätte.

Im Gegenteil. Heute weiß ich, daß Selbstbeschimpfungen eine 1a Einladung für alle Geschöpfe um Dich drum herum sind. Denn wenn Du selbst Dich für komplett unfähig hälst, wäre es doch schlichtweg unhöflich, Dir nicht beizupflichten, hm? Also stimmen die anderen ein in Deine Tiraden, was dann wiederum Dich ‚bestärkt‘, und so weiter und so fort. Das nennt sich passenderweise Teufelskreis.

 

RAUS AUS DEM TEUFELSKREIS, REIN IN DEN ENGELSKREIS

Tatsächlich sind wir alle sehr auf solche Teufelskreise fixiert. Oder kennst Du jemanden, der das Wort Engelskreis benutzt? Und falls doch, ist in unserer Gesellschaft die Esoterik-Schublade fast immer gleich ganz weit offen. De facto geht’s mir aber schlichtweg um das Gegenteil, wie auch immer Du das nennen willst.

Das Gegenteil, das sich dann irgendwann bei mir nicht mit der Esoterik, nein: mit der Alexander-Technik einfand. Die Erkenntnis, daß ich meine Grenzen gar nicht sprengen muß. Nein, es ist aus meiner heutigen Sicht viel effektiver, wenn ich das Ganze Stückchen für Stückchen angehe: Hier ein bißchen raus aus einer Gewohnheit, da was kleines Neues ausprobiert.

SPIELEN STATT STRESS

Und ich sag Dir, das hat Charme! Da entsteht Spielen statt Stress. Das Leben wird unterhaltsam, vergnüglich. Weil Du immer wieder was Neues entdeckst, eine neue Idee ausprobierst. Und das ist alles auch noch machbar. Weil Du inzwischen weißt, wie Lernen geht, wie Du Deinen Engelskreis in Gang setzt. Und weil Du auch weißt, welche Geschöpfe Du daran teilhaben lassen willst. Stolz statt Selbstbeschimpfung!

Aber weißt Du, was für mich das Beste daran ist? Über Grenzen hab ich schon ganz lange nicht mehr nachgedacht, die spielen einfach keine Rolle mehr. Und so verändere ich meine Welt, Stück für Stück.

 

Schreib mir doch, wie Du mit Grenzen umgehst! Das fände ich sehr spannend, schon jetzt danke.
Claudia

 

P.S. Wie ausführlich scannt der BND oder Facebook oder irgend jemand anderes eigentlich Texte im Internet? Für den Fall der Fälle: Liebe Leute, ich verwende hier häufig den Ausdruck ‚Grenzen sprengen‘. Aber ich schwöre, es ist einzig und allein als Metapher gemeint :-)

 

 

 

 

Claudia HeineltComment