Du und Dein Rücken, Teil I. So könnt Ihr beste Freunde werden.

Willkommen, Ihr Lieben!

Ich hoffe, wir werden hier viel Spaß miteinander haben und vor allem auch immer wieder gemeinsam herausfinden, wie wir die Welt mit Alexander-Technik zu einem anderen Ort machen :-)

Allerdings weiß ich bestens, daß es manchmal gar nicht so einfach ist, ein wie auch immer geartetes Vorhaben in die Welt zu bringen. Da sind der Job und die Familie, das liebe Geld. Oder auch die ewige Müdigkeit, die Rückenschmerzen. Ein Ziehen und Zerren von allen möglichen Seiten, das uns oft viel Kraft kostet und von den wirklich wichtigen Dingen einfach abhält.

Mein erster Vorschlag dreht sich deswegen darum, wie Du diesem Ziehen und Zerren und vor allem auch den Rückenproblemen gut beikommen kannst. Mein Vorschlag

  • kostet Dich kein Geld,

  • Du kannst dafür zuhause bleiben,

  • enthält keine komplizierten Übungen

  • und macht Dir auch kein schlechtes Gewissen, wenn Du mal keine Lust drauf hast.

Na, neugierig? Fein :-)

Mein Vorschlag ist einfach: möglichst oft 15-20 Minuten Liegen. Laß mich meine Sicht auf Rückenprobleme schnell ein bißchen erläutern, bevor ich Dir das mit dem Liegen erkläre.

Die meisten von uns sitzen ja inzwischen den größten Teil des Tages. Am Rechner, beim Kaffee oder beim Essen, mit Freundinnen undsoweiterundsofort... Guck Dich um, die Folgen sind unübersehbar: Rundrücken, gebeugte Schultern und jede Menge – HUAAAH, Schmerz laß nach! – Rückenprobleme.

Rückenschmerzen und Aktionismus

Das Volksleiden Nr. 1, wie uns diverse Mitmenschen und Medien immer wieder erklären. Natürlich gerne gefolgt von den 10 tollsten Tipps, wie Du Deinen Rücken wieder in den Griff kriegst. Oder gleich die 10 besten Orthopäden weit und breit, Du hast da die Wahl zwischen Skylla und Charybdis.

Okay, ich neige hier grade ein bißchen zu Sarkasmus. Aber das ist genau die Sorte

Getöse, in dem wir uns selbst und das, was uns wichtig ist, nicht mehr wahrnehmen können.

Kein Getöse, statt dessen ganz einfach: Du legst Dich vier Wochen lang möglichst oft für ca. 20 Minuten hin. In eine stille Ecke, auf einen harten Untergrund, mit ein paar Büchern unter Deinem Kopf.

Klingt das machbar für Dich?

Oder winkst Du grad ab, weil es Dir langweilig erscheint? Keine Sorge, ich erzähl Dir zwischendrin garantiert noch ein paar spannende Dinge :-) Laß uns einfach mal probieren, ja?! Hier kommt jedenfalls meine ausführliche Beschreibung für Deine erste Woche.

  • Überleg Dir einen passenden Zeitpunkt.
    Vielleicht gleich morgens nach dem Aufstehen? Das ist zumindest bei mir ideal, mittags oder abends droht das Ganze in ein klitzekleines Power-Schläfchen auszuarten.  Auch schön, aber anders :-) Finde also raus, wann Du wach genug bist für’s Liegen.

  • Such Dir einen gemütlichen, ruhigen Platz mit einem festen Untergrund.
    Ich selbst liege gerne auf dem Teppich in meinem Arbeitszimmer, jetzt im Winter oft noch mit einer zusätzlichen Decke, damit es mir im Rücken warm genug ist für die nächsten 15-20 Minuten. Wichtig: Dein Sofa oder Bett sind beide TABU, das ist zu weich.

  • Leg Dich hin.
    Ich hab Dir ein Foto von mir gemacht, da siehst Du, wie ich mir das vorstelle: Du liegst auf dem Rücken, Deine Hände liegen entspannt auf dem Bauch oder den Hüften, die Knie hast Du angezogen und Deine Füße aufgestellt.


Liegen Knie angezogen Teppich rot Salbei Pullover.jpg

Rückenprobleme einfach lösen durch Liegen.

Und darüber hinaus ist Liegen eine sehr gemütliche Angelegenheit. Probier es einfach aus!


Dein Hals- und Nackenbereich
Jetzt noch Dein Kopf! Den legst Du auf einem Bücherstapel ab, die Bücher sind dabei unter Deinem Haaransatz, Dein Nacken hängt frei. Probier unbedingt aus, welche Stapelhöhe Dir taugt! Drückt sich Dein Kinn in den Hals? Dann ist es zu hoch. Umgekehrt ist es zu niedrig, wenn Du Dein Kinn in die Luft reckst und Deine hinteren Halsmuskeln zusammen drückst.

Guck Dir die Fotos von meinem ‘Assistenten’ Artur an, da siehst Du, was ich meine. Und noch mal, weil es wichtig ist: Laß Dir Zeit, experimentiere in Ruhe, finde etwas heraus. Und zwar bei jedem Liegen auf’s Neue, es kann gut sein, daß sich die Höhe Deines Stapels immer wieder ändert!

Deine Augen
Jetzt kommt unter Umständen eine erste Herausforderung für Dich. Ich möchte nämlich, daß Du mit offenen Augen liegst. Innenschau schön und gut, aber nicht jetzt. Hier geht es mir um das Wachsein, um den Kontakt mit Deiner Umgebung, okay?


Artur Kopf liegend von oben.jpg

So positionierst Du Deinen Kopf richtig.

Mein Assistent Artur zeigt Dir hier, wie er auf einem Bücherstapel liegt, dessen Höhe passend für seinen Hals-Nacken-Bereich ist. Beachte bitte hier die Anzahl der sichtbaren Hals-Bandscheiben unter seinem Kinn, es sind drei.

Artur Kopf liegend von oben ohne Bücher.jpg

Finde die Unterschiede :-)

Genau: kein Buch, keine Unterstützung des Kopfes. Sieht auch gemütlich aus, aber guck mal auf die Anzahl der Hals-Bandscheiben. Hier sind es vier, die Dornfortsätze auf der Hals-Rückseite müssen sich enger zusammendrücken. Und wenn Du Dir da jetzt noch Muskeln vorstellst… Genau: AUTSCH!


Mach Dich an die Arbeit
Du liegst jetzt also. Dein Körper wird ein bißchen brauchen, um von der Senkrechten in die Waagerechte umzuschalten. Nutze die Zeit für eine Bestandsaufnahme. Stell fest, wie Dein Körper im Moment liegt. Hier hast Du gleich ein ganz wichtiges Element von Alexander-Technik: Es ist mir komplett egal, was Du tust. Denn:

Es gibt keine guten oder schlechten Bewegungen, alles ist erlaubt. Finde lieber etwas über die Qualität Deines Tuns heraus!

Dein Liegen
Wie ist Dein Liegen? Liegt Dein Kopf mittig auf dem Stapel? Oder eher nach links/rechts? Was für Unterschiede gibt es bei Deinen Schulterblättern? Welche Teile Deiner Oberarme liegen auf? Wie groß ist die Fläche in Deinem unteren Rücken, die nicht auf dem Boden aufliegt? Essteller-Größe? Kleiner, größer?

Kannst Du etwas über Deine Knie sagen? Berühren sie sich? Oder kippen sie nach außen weg? Und was machen Deine Füße? Berühren eher die Außenkanten den Boden? Schwebt Dein innerer Ballen (der unter dem großen Zeh) vielleicht ein bißchen in der Luft?

Dir fallen noch mehr Fragen ein? Super!

Falls Dir das zu einzelteilig ist, probier was anderes. Bestreich einfach gedanklich Deine Rückseite mit Farbe. Vielleicht mit Monochrome-Blau, wie der Künstler Yves Klein es in echt getan hat. Und jetzt stellst Du Dir Deinen Abdruck vor: Was für ein Bild bist Du?

Du möchtest vielleicht zwischendrin mal Deine Beine und/oder Arme ausstrecken? Gute Idee, mach einfach. Beobachte möglichst auch hier: Welche Körperteile liegen wie auf? Nach einiger Zeit bringst Du Deine Arme/Beine wieder in die Ausgangsposition.

Und jetzt erzähl mir was über die Unterschiede!

Wie stehen Deine Füße jetzt da? Was machen die Knie? Und vielleicht hast Du ja auch das Bedürfnis, die Position/Höhe Deines Bücherstapels unter dem Kopf zu ändern?

Dein Denken
Achtung, Dein Intellekt wird dieses Spiel hier irgendwann doof finden: ‚Soviel Beschäftigung mit dem ollen Körper! Wozu soll das denn gut sein???‘ Also wird Dein Kopf schon mal ‚Wichtigeres‘ tun wie Deinen Arbeitstag planen oder die Einkaufsliste für später schreiben. Oderoderoder...

Macht nix. Nimm’s einfach zur Kenntnis, möglichst ohne irgendeine Form der Selbst-Beschimpfung. Und wenn die Einkaufsliste fertig ist, guckst Du erneut auf Dich, auf Deinen Körper.

Nichts tun
Denn da verändert sich etwas, einfach durch Dein Nicht-Tun. Hast Du das Zitat von Frederick Alexander gesehen auf meiner Alexander-Seite? ALLE Aktivität setzt sich in Muskelspannung um, heißt es da.

Denken ist eine Aktivität.

Das ‚Schreiben‘ einer gedanklichen Liste reicht bereits für muskuläre Aktionen, für Anspannung. Also vielleicht den nächsten Film noch mal überdenken, bevor Du guckst. Wobei es ganz toll sein kann, wenn Du Dich hinterher so leicht fühlst, wie Fred Astaire tanzt :-)

Wir bleiben jedenfalls fürs erste beim Nichts tun. Genieße, wie Deine Muskulatur ihre Spannung abbaut. Denn genau das tut sie im Liegen, durch die Unterstützung der Schwerkraft. Wie Du das überprüfen kannst? Check jetzt noch mal Dein ‚Bild‘, erfühle z.B. die ‚Tellergröße‘ in Deinem unteren Rücken.

Ich wette, da verändert sich was! Hab ich recht? Schreib mir gerne, welche Erfahrungen Du mit dem Liegen machst! Und nächste Woche erzähl ich Dir, wie wir weitermachen.




Bis dahin, vergnügliche Entdeckungen!

Claudia